Prof. Dr. Eckhard Jedicke
Bioenergie-Region
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Prof. Dr. Eckhard Jedicke
Projektentwicklung im Naturschutz

Aktion Klima-Sparschwein


Das Motto „Bioenergie statt Öl und Gas“ soll im Landkreis Rhön-Grabfeld zu einer breiten Bewegung werden. Das möchte das wachsende Bioenergie-Netzwerk auch mit der Aktion „Klima-Sparschwein“ deutlich machen: Mit einem symbolischen Euro und einer Unterschrift sollen sich die Menschen im Kreis solidarisch zeigen mit allen Akteuren im Einsatz für den Klimaschutz. Dazu steht in allen Filialen der Genobank, der Sparkasse und der VR-Bank ein grünes Sparschwein zusammen mit einer Erläuterungskarte und Unterschriftenliste.

Die Aktion war eine Idee der Banken im Rahmen der Workshops zur Erarbeitung der Bewerbung zur Bioenergie-Region. Der Landkreis verdoppelt jeden eingezahlten Euro. Alle Mittel werden für die Entwicklung der Bioenergie-Region eingesetzt.

Bewerbung des Landkreises Rhön-Grabfeld als Bioenergie-Region

Grundprinzip: Bürger verhelfen ihrer Gemeinde zu zukunftsfähigen Investitionen in die Bioenergie, ohne dass sich die Kommune verschuldet.

Ein Regionales Entwicklungskonzept Bioenergie nimmt für den Landkreis Rhön-Grabfeld eine Bewertung des Ist-Zustands vor, definiert Ziele zur Entwicklung als Bioenergie-Region und schlägt konkrete Maßnahmen zur Umsetzung vor. Das Konzept wurde in einem breiten partizipativen Prozess mit über 60 beteiligten Akteuren entwickelt und für die zweite Runde eines Wettbewerbs des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) eingereicht. In der ersten Runde des Wettbewerbs wurde die Region aufgrund einer Projektskizze aus 210 eingegangenen Bewerbungen in die engere Wahl von 50 Regionen genommen.

Mit einer Anerkennung als „Bioenergie-Region“ und dem daraus resultierenden wirtschaftlichen Potential möchten die Protagonisten im Landkreis Rhön-Grabfeld konsequent einen bereits eingeschlagenen Weg im Bereich der Bioenergie entscheidend ausbauen. Dieser Weg darf hinsichtlich seiner Innovationen als außergewöhnlich bezeichnet werden – sowohl im technischen Bereich als auch hinsichtlich der entstandenen Betreibergemeinschaften. 

Im Wesentlichen zählen dazu zwei große Bürgersolarkraftwerke, die als Bürgerbeteiligungsprojekte konzipiert wurden. Das dabei praktizierte Konzept, Projekte mit so vielen Menschen wie möglich und so wenigen wie nötig zu realisieren, wurde auch auf Biogasanlagenprojekte übertragen. So gehören drei Biogasanlagen insgesamt über 80 Landwirten, die diese in Gemeinschaft betreiben. Allen Projekten gemein ist eine effiziente Nutzung der Wärme und damit höchste Wirtschaftlichkeit der Projekte. Konsequent wurde der Weg einer regionalen Wertschöpfung bei all diesen Projekten beschritten. So sind es ausschließlich regionale Banken, die die Projekte finanzieren.

Diese und weitere Projekte haben im Landkreis Rhön-Grabfeld ein hinsichtlich Breite und Tiefe außergewöhnliches Netzwerk entstehen lassen, dessen Beteiligte gemeinsam diesen Förderantrag stellen. Zentrales Ziel ist, in der einmal bewährten Form die Bürger durch Kapitaleinlagen nach dem Motto „Das Geld des Dorfes dem Dorfe“ an diesen Projekten zu beteiligen. Verschiedene Projekte und Protagonisten wurden mit Preisen ausgezeichnet.

Projektgebiet ist der gesamte Landkreis (1 022 km², knapp 85 000 Einwohner) mit 52 % Landwirt­schaftsfläche (davon 79 % Acker) und 37 % Waldfläche. Es handelt sich um eine wirtschaftlich benachteiligte, periphere Region (vormals das „Armenhaus Bayerns“) und damit beispielhaft für viele Regionen Deutschlands. Ein Teil gehört zum länderübergreifenden Biosphärenreservat Rhön. Folgende Potenziale der Bioenergie zur regionalen Wertschöpfung wurden herausgearbeitet:

  • Energieholz (bes. Kleinprivatwald),
  • Landwirtschaft (Gülle/Dung, Energiepflanzen, auch Alternativen wie Schilf),
  • Kurzumtriebswälder und Hecken,
  • Entsorgungswirtschaft,
  • Tourismus,
  • Bildung,
  • Forschung & Entwicklung,
  • Nachfrage-Förderung.

Aus einer SWOT-Analyse wird schrittweise ein Zielsystem abgeleitet, welches Kennzahlen als Indikatoren und messbare Vorgaben enthält. Die Vision – unterlegt mit Leitsätzen für Mission und Kernwerte – lautet, dass der Landkreis bis 2025 rechnerisch energieautark und der CO2-Ausstoß um mind. 50 % reduziert ist. Bioenergien nehmen bis dahin mind. 25 % Anteil ein. Die Ziele ordnen sich in vier Dimensionen ein:

  • Netzwerk: Professionalisierung, dezentrale Strukturen, Gemeinschaftsprojekte
  • Lernen und Entwicklung: aktivierende Öffentlichkeitsarbeit, Umsetzungskonzept mit optimierter Nachhaltigkeit, Anwendungsreife der Hydrothermalen Karbonisierung, Monitoring, freiwillige CO2-Neutralisierung, Vorbildregion
  • technische/investive Ziele: Holz und Bio-Abfälle priorisiert, kombinierte Strom- und Wärmeproduktion, Nahwärmenetze, Flächenzusammenlegung zur Erschließung von Nutzungspotenzialen im Kleinprivatwald, Bioenergie-Tourismus
  • Finanzen: symbolische Aktion „Klima-Spar-schwein“, primär Bürgerbeteiligungs-Projekte, Nutzung staatlicher Förderungen, Forschungsmittel akquirieren, Netzwerk langfristig sichern

Im Zentrum der Strategie steht die Realisierung lokaler Wertschöpfungsketten mit Kommunen und ihren Bürgern als Hauptakteure nach dem oben stehenden vereinfachten Schema.

aktueller Stand: Die Förderung wurde leider nicht bewilligt; Hauptgrund mag die innerhalb Bayerns besonders starke Konkurrenz gewesen sein. Eine informelle Teilnahme an den Bioenergie-Regionen-Netzwerk wird dennoch möglich sein.  Die Akteure recherchieren derzeit alternative Förderungsoptionen, um die vielfältigen Ideen und Aktivitäten im Landkreis dennoch zu bünden und voran zu bringen.

 
(Fast) alle Akteure der REK-Erstellung vereint - "Bewerbungsfoto" zur Fertigstellung des Konzepts. Foto: Karin Nerche-Wolf/Mainpost