Arten- und Biotopschutz im Biosphärenreservat Rhön
Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt fördert seit 1996 ein länderübergreifendes Artenschutzprojekt der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. (HGON). Seit 2004 wird das ursprüngliche Gemeinschaftsprojekt von HGON und ZGF durch Letztere unter Leitung von Eckhard Jedicke direkt durchgeführt. Drei Schwerpunkte wurden hierbei bislang bearbeitet:
- Erarbeitung der theoretischen Grundlagen und eines Zielartenkonzepts für regionalen zoologischen Artenschutz im Biosphärenreservat Rhön unter räumlicher Spezifizierung für die hessische Rhön (Altmoos 1997 und 1998);
- Etablierung einer projektbegleitenden Arbeitsgemeinschaft Artenschutz im Biosphärenreservat Rhön als bewusst nicht institutionalisierte, i.d.R. zwei- bis dreimal jährlich tagende Plattform für den Informationsaustausch aller Interessierten über die Grenzen der Bundesländer hinaus;
- Umsetzung exemplarischer Naturschutzprojekte, die aus dem zoologischen Artenschutzkonzept resultieren.
„Artenschutz“ wird nicht allein auf die Förderung bestimmter Arten (Einzelartenschutz) bezogen, sondern ebenso auf Schutz, Pflege und Entwicklung der Artenvielfalt (Biodiversität) insgesamt (s. Altmoos 1997: 41). Dieses muss im Wesentlichen durch umfassenden Biotopschutz erfolgen. Repräsentative Zielarten stehen dabei als Stellvertreter für Lebensraumtypen und die darin vorkommenden Lebensgemeinschaften (Biozönosen), welche die herausragende nationale Bedeutung der Rhön für die Erhaltung von gefährdeten Arten und Biotoptypen, aber ebenso der charakteristischen Mittelgebirgsregion mit ihrem Landschaftsbild und ihrer Lebensraum- und Erholungsfunktion für den Menschen wesentlich mitbegründen.
weiterführende Informationen:
- Verschiedene Ergebnisse sind in einer Broschüre zusammengefasst, welche die Bayerische Verwaltuingsstelle des Biosphärenreservats und die ZGF gemeinsam herausgegeben haben (Download Broschüre: 4,7 MB).
- Perspektiven für die Naturschutzarbeit in der Rhön auf der Basis einer Perspektivplanung zur Weiterführung des Zielartenkonzepts zeigt ein Beitrag im Jahrbuch Naturschutz in Hessen auf (Download als PDF - MB).
Rahmenbedingungen für den Naturschutz im Biosphärenreservat Rhön
Laut Rahmenprogramm „Man and Biosphere“ der UNESCO besitzen Biosphärenreservate als großflächige, repräsentative Ausschnitte von Natur- und Kulturlandschaften den Zweck, beispielhafte Konzepte zu Schutz, Pflege und Entwicklung zu erarbeiten und umzusetzen. Dieses soll gemeinsam mit den hier lebenden und wirtschaftenden Menschen geschehen. Somit gilt in einem Biosphärenreservat erst recht das Gebot, eine „people-included“-Strategie zu verfolgen. Zudem impliziert die Genese der Kulturlandschaft mit ihren Schutzgütern, dass eine Erhaltung der Biodiversität zwingend wirtschaftende Tätigkeiten des Menschen benötigt; folglich kann der Schutz nur gemeinsam mit den Nutzern realisiert werden, nicht ohne oder gar gegen sie.
Eine besondere Schwierigkeit ergibt sich in der Rhön aus der Zugehörigkeit zu drei Bundesländern mit jeweils eigener Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats, aus deren unterschiedlicher Einbindung in die Behördenstruktur und andersartigem Verwaltungsaufbau insgesamt. Für länderübergreifend angelegte, den gesamten Naturraum betreffende Projekte bedeutet das gerade bei partizipativem Herangehen merklich eine Verdreifachung des Aufwands. Anderseits können aus bundesweiter Sicht aber parallel Erfahrungen in der Projektumsetzung unter den spezifischen Voraussetzungen der Verwaltungs- und Förderlandschaften dreier unterschiedlicher Bundesländer gesammelt werden.
Im Rahmen der Evaluierung des Biosphärenreservats Rhön durch das MAB-Nationalkomitee beim Bundesumweltministerium legten die Umweltministerien der drei Länder einen „Bericht zur Überprüfung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön“ vor (Thüringer Ministerium et al. 2003). Darin wird als einer von mehreren künftigen Schwerpunkten zur Weiterentwicklung des Biosphärenreservats eine noch stärkere Nutzung des großen Potenzials gesellschaftlicher Kräfte und Einbindung aller Akteure (z.B. Kommunen, Verbände, Vereine, Unternehmen, Fachbehörden) in die Umsetzung der Ziele des Biosphärenreservats gefordert, damit sie sich stärker als bisher selbst für die Belange des Biosphärenreservats zuständig fühlten. Weiterhin soll neben einer Förderung einer nachhaltigen Regionalentwicklung durch weitere Initiierung und Umsetzung von Modellprojekten eine Weiterentwicklung der kooperativen Ansätze zur Konfliktbewältigung zwischen Naturschutz und den verschiedenen Freizeitansprüchen erfolgen.
Der vorliegende Beitrag fußt auf Erfahrungen aus drei Projekten, die länderübergreifend im Biosphärenreservat Rhön realisiert werden. Dabei handelt es sich nach der Begriffsbestimmung von Heiland (2000, 2002) um Initiativ-Vorhaben, mit denen Naturschutz-Akteure bestimmte Ziele des Naturschutzes erreichen möchten. Im Einzelfall beinhalten sie aber auch Bausteine von Reaktiv-Vorhaben, wenn die verantwortlich handelnden Akteure in den beschriebenen Projekten auf Vorhaben und Planungen reagieren, indem sie diese möglichst naturverträglich ausgestalten, modifizieren oder auch verhindern möchten.
Im Rahmen der seit den 1990er-Jahren geführten Akzeptanz-Diskussion im Naturschutz fehlt es an Analysen von Erfahrungen besonders aus größeren Initiativ-Vorhaben; hier besteht ebenso wie bei naturschutzpolitischen Projekten, die auf die Veränderung vom Rahmenbedingungen des Naturschutzes abzielen, und Reaktiv-Vorhaben „ein ganz erhebliches Forschungsdefizit im Hinblick darauf, wie Naturschützer in solchen Situationen erfolgreich agieren können – kooperativ oder konfrontativ, konsens- oder konfliktorientiert“.
Erfahrungen hierzu wurden in einem Artikel in den "Beiträgen Region und Nachhaltigkeit" zusammengefasst (Download als PDF - 0,2 MB).
