Prof. Dr. Eckhard Jedicke
Biotopverbund Spessart
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Prof. Dr. Eckhard Jedicke
Projektentwicklung im Naturschutz

Biotopverbundprojekt Spessart

Länderübergreifender Arten- und Biotopschutz im Spessart – regionaler Biotopverbund auf der Basis eines repräsentativen Zielartensystems

Laufzeit:
2006 - 2009

Träger:
Naturpark Spessart e.V. gemeinsam mit Zweckverband Naturpark Hessischer Spessart und Forschungsinstitut Senckenberg 

Förderung:
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Az. 22448)

Ziel:

Ziel des Vorhabens ist die Realisierung von best-practice-Beispielen des Arten- und Biotopschutzes im Naturraum des Spessarts auf der Basis eines Zielartenkonzepts. Sechs Teilziele stehen im Mittelpunkt:

  • Aufbau einer länderübergreifenden Zusammenarbeit im Spessart-Naturschutz;
  • Erarbeitung eines Zielartenkonzepts auf regionaler Ebene;
  • Umsetzung eines länderübergreifenden Biotopverbunds anhand des Zielartenkonzepts;
  • Konzeptentwicklung und Erprobung von Bausteinen zur Natur-Bildung;
  • nachhaltige Entwicklung der Spessart-Region durch Verknüpfung von Naturschutzzielen mit Interessen der Landnutzung im weiteren Sinne;
  • Leitfaden-Entwicklung für Konzept und Umsetzung eines dynamischen, regional konzipierten Biodiversitätsschutzes.

Besuch des DBU-Generalsekretärs Dr. Fritz Brickwedde im Projektgebiet (Hafenlohr)

 

Hafenlohrtal

 
 

Teilprojekt A: Zielartenkonzept und Planung

Artenstecksbrief Bekassine (Flyer)

Zunächst nahm die Konzeption und Herleitung des Zielartenkonzepts  mit folgenden Arbeitsschritten breiten Raum ein, federführend geleistet durch das Forschungsinstitut Senckenberg (Abteilung Limnologie und Naturschutzforschung in Gelnhausen):

  • Auswahl der schutzbedürftigen Lebensraumtypen (23 Biotop- und vier Landschaftsausschnittstypen),
  • Erstellung einer Gesamtartenliste für den Spessart (5.549 Taxa),
  • regelgeleiteter Auswahlprozess der Zielarten (Kriterien: Seltenheit als Ausschlusskriterium, indirekter Mitnahmeeffekt [Charakterarten], direkter Mitnahmeeffekt [Schlüsselarten], arealgeographische Besonderheit, Verantwortlichkeit Deutschlands, Gefährdungsgrad, Erfassbarkeit/Bestimmbarkeit, Attraktivität) - Ergebnis: 263 „Top 10“-Arten, darunter 81 „Top 3“- Arten,
  • Aufbau einer Artdatenbank,
  • Darstellung der Daten im Spessart-GIS,
  • Prioritätensetzung (Top 3 und Top 10),
  • Erarbeitung von Artensteckbriefen,
  • Erstellung eines Biotopverbund- und Vorrangflächenkonzepts - exemplarisch für die Lebensraumtypen mit der höchsten Naturschutzpriorität: Buchenwald, Feuchtgrünland und Zwergstrauchheiden/Borstgrasrasen.

Allerdings bestehen nach wie vor sehr große Datenlücken, insbesondere bezüglich der Verbreitung der Zielarten. Diese haben folgende Gründe:

  • Ergebnisse der Biotopkartierungen sind teilweise zu grob und gebietsweise unvollständig, zudem wurden sie in den beiden Bundesländern unterschiedlich erfasst (Rasterpunkte mit Flächengrößen, Flächen mit Prozentanteilen) – eine flächenscharfe Auswertung ist daher oft nicht möglich.
  • Die Daten der neuen Hessischen Biotopkartierung stehen noch nicht zur Verfügung, solange sie noch nicht geprüft sind.
  • Vorkommens-Daten der meisten Zielarten sind sehr lückenhaft und spiegeln oft nur die Erfassungs­intensität wider, nicht aber die tatsächliche Verbreitung. Zudem sind die Daten größtenteils veraltet (z.B. NSG-Gutachten der 1980er Jahre); gerade bei seltenen Arten, die in geringen Populationen vorkommen, ist die heutige Gesamtsituation völlig unklar.

 
 

Teilprojekt B: länderübergreifende Zusammenarbeit

Die beiden Naturparke im Spessart (bayerische und hessische Seite) haben eine umfangreiche Kooperation auf unterschiedlichen Gebieten aufgenommen; hierbei bildeten der gemeinsame DBU-Antrag und die Projektumsetzung einen entscheidenden Anstoß. Sie läuft nun aunabhängig vom Projekt z.B. durch ein gemeinsames Jahresprogramm, Aus- und Fortbildung von Natur- und Landschaftsführern, regelmäßige Abstimmungen usw.

Im Projekt wurde zum Informationsaustausch eine länderübergreifende AG Spessart-Naturschutz gebildet. Konkrete Projektarbeit wird in der Regel mit Worlshops intensiv vorbereitet und begleitet (s.u.).

 
 

Teilprojekt C: Naturschutz-Umsetzung (Projektbeispiele)

Alt- und Totholz bietet artenreiche Lebensräume mit zahlreiche Urwald-Reliktarten - hier besitzt der Spessart bundesweite Bedeutung
  1. Vogelschutz an Mittelspannungsleistungen: Erfassung von problematischen Masten - Absprachen mit Vogelschutzwarten, Schulungsveranstaltung, Kartierung durch Ehrenamtliche und Praktikant(inn)en, Absprachen mit EVU zur Entschärfung
  2. Biotoptyp „Unzerschnittene Wälder/Eichenwald“:
  3. Biotoptypen „Buchenwald“ und „Eichenwald“: Besucherlenkung & Broschüren für NSG „Rohrberg“, „Eichhall" „Metzgergraben und Krone“; Datenrecherche für die länderübergreifende Planung eines Alt- und Totholzverbunds (unter Einschluss der Naturwaldreservate, NSGs, FFH- und Vogelschutzgebiete)
  4. Biotoptyp „Unzerschnittene Wälder“: Runder Tisch zum Thema Luchs, Runde Tische zum Thema Rotwild zwqecks Vernetzung von Akteuren, Information, Ausbilodung von Luchsberatern und ggf. Maßnahmenplanung (z.B. Grünbrücken)
  5. Biotoptyp "Bäche": Gewässer- und Auenrenaturierung im Hafenlohrtal, Offenhaltung des oberen Haselbachtals bei Bad Orb, ökologische Aufwertung der Aura in Burgsinn (Planung), Erfassung von Querbauwerken und sonstigen Wanderungshindernissen in Spessartbächen
  6. Grünland-Biotoptypen: Erstellung der Biotopverbund- und Vorrangflächenflächenkonzepte für Feuchtwiesen sowie Zwergstrauchheiden und Borstgrasrasen (einschl. gesonderter Erfassung der Zielart Arnika), umfangreiche Arten zur partizipativen Planung eines Grünlandprojekts Spessart, Erstellung zweier länderübergreifender Broschüren zur Besucherlenkung in den Schachblumen- und Spessartwiesen generell, Mitwirkung an Renaturierungsmaßnahmen im Lohrtal
  7. Beteiligung am Bundeswettbewerb "idee.natur" mit einem Projektkonzept "Waldlandschaften im Spessart" zu Schutz und Entwicklung im Wald einschl. Rodungsinseln und Waldwiesentälern

 
 

Teilprojekt D: Natur- und Umweltbildung

  • Bündelung und Zertifizierung der Natur- und Landschaftsführer, Weiterbildungsmaßnahmen
  • Beiträge zur Ausgestaltung der Naturpark-Infozentren in Gemünden/Main und Wegscheide (Bad Orb)
  • Fortbildungen zum Neophyten-Management
  • diverse Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit

weitere Informationen: Projektseite beim Naturpark Spessart

 

Der Wald rückt mancherorts vor ... - in verschiedenen Gebieten des Spessarts unterliegen ungenutzte Täler der Sukzession.