Umsetzung effizienten Fließgewässerschutzes
Revitalisierungsmaßnahme an der thüringischen Ulster
Evaluation von Fließgewässer-Revitalisierungsprojekten als Modell für ein bundesweites Verfahren zur Umsetzung effizienten Fließgewässerschutzes
Laufzeit:
2007 - 2009
Träger:
Forschungsinstitut Senckenberg (Abteilung Limnologie und Naturschutzforschung, Dr. Peter Haase), gemeinsam mit Universität Duisburg-Essen (Abteilung Angewandte Zoologie/Hydrobiologie, PD Dr. Daniel Hering) und Goethe-Universität Frankfurt (Institut für Physische Geographie, Prof. Dr. Eckhard Jedicke). Weitere Partner: Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) und Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz
Förderung:
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU; Az: 25032 - 33/2); Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz
Ziel:
Ein Paradigmenwechsel in der europäischen Gewässerpolitik hat dazu geführt, dass künftig alle Gewässer hinsichtlich ihres ökologischen Zustandes bewertet werden müssen. Wesentliche Grundlage hierfür sind ihre Lebensgemeinschaften: Dort, wo sie gestört sind, müssen geeignete Revitalisierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Der Erfolg dieser Maßnahmen muss erneut auf der Basis der Lebensgemeinschaften gemessen werden. Das hatte zur Folge, dass in den vergangenen Jahren völlig neue Methoden zur Erfassung und Bewertung von Gewässer auf der Basis ihrer Lebensgemeinschaften entwickelt werden mussten.
In der Vergangenheit wurden zahlreiche Revitalisierungsprojekte durchgeführt. Für die Zukunft ist zu erwarten, dass in erheblich größeren Umfang solche Projekte stattfinden werden, da mehr als die Hälfte der bundesdeutschen Gewässer keine intakten Lebensgemeinschaften aufweisen. Relativ unklar ist aber, ob die bisher in der Fließgewässer-Revitalisierung eingesetzten Maßnahmen auch zu mit den neuen Methoden messbaren Verbesserungen der Lebensgemeinschaften führen.
Vor diesem Hintergrund wurden in dem Projekt 26 ausgewählte Projekte zur Fließgewässer-Revitalisierung in Deutschland hinischtlich ihres Erfolgs evaluiert. Im Mittelpunkt standen folgende Fragen, die durch Erfassungen vor Ort analysiert werden:
- Wie und in welcher Form reagieren die Lebensgemeinschaften auf verschiedene Revitalisierungsmaßnahmen?
- In welchem Verhältnis steht der Aufwand (Kosten) einer Maßnahme zu ihrem biozönotisch messbaren Erfolg (Nutzen)?
- Welche Erkenntnisse lassen sich aus den Untersuchungsergebnissen für künftige Revitalisierungsprojekte mit dem Ziel bestmöglicher Effizienz des finanziellen Mitteleinsatzes ableiten?
Ein Baustein in diesem Projekt war eine Akteursbefragung. Je Projekt wurden fünf bis acht Vertreter verschiedener Akteure anhand eines Online-Fragebogens zu individuellen Zielen, Akteuren und Partizipation befragt.
Ergebnisse:
Übergeordnetes Ziel der Revitalisierungsmaßnahmen war eine Verbesserung der Gewässerstruktur. Unsere Untersuchungen belegen eindrucksvoll, dass die Revitalisierungen zu einer deutlichen Verbesserung des hydromorphologischen Zustands geführt haben. An den revitalisierten Abschnitten wurde eine Erhöhung der Substratdiversität, Tiefen- und Strömungsvarianz festgestellt. Die Diversität von Gewässerelementen, wie beispielsweise Totholzverklausung, Altarme, Inseln oder Sand-/Kiesbänke hat ebenfalls zugenommen.
Insgesamt konnte in 17 der 26 Fälle eine Verbesserung in einer der drei Organismengruppen festgestellt werden. Diese Verbesserung betraf jedoch oftmals nur eine Verschiebung vom „schlechten“ oder „unbefriedigenden“ in den „unbefriedigenden“ oder „mäßigen“ Zustand. Lediglich in insgesamt vier Fällen konnte eine Verschiebung vom „mäßigen“ in den „guten“ oder „sehr guten“ Zustand dokumentiert werden. Im Hinblick auf den ökologischen Gesamtzustand (ökologische Zustandsklasse) erreicht nur eines der untersuchten Gewässer den von der EG-WRRL geforderten „guten“ ökologischen Zustand.
Die vergleichsweise geringe biologische Reaktion auf die Revitalisierungsmaßnahmen hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen. So sind mittlerweile viele Einzugsgebiete in ihrer Gänze biozönotisch verarmt, so dass ein regionales Wiederbesiedlungspotenzial fehlt. Zudem weisen einige Gewässer stoffliche Belastungen auf, die die Wiederansiedlung sensitiver Arten erschwert. Auch die nicht seltene großflächige hydromorphologische Degradation vieler Gewässer spielt hierbei eine Rolle.
Die untersuchten Revitalisierungsprojekte zeigen durchweg eine deutliche Verbesserung ihrer Hydromorphologie. Damit sie auch aus ökologischer Sicht als erfolgreich bewertet werden können, ist eine ganzheitliche Betrachtung der Gewässer von zentraler Bedeutung. In den Fokus künftiger Planungen von Revitalisierungsmaßnahmen sollte daher nicht der Gewässerabschnitt allein, sondern der ganze Wasserkörper sowie sein Einzugsgebiet gerückt werden. Es sollten künftig in vorgeschalteten Einzugsgebietsanalysen Aspekte zum Wiederbesiedlungspotenzial von Organismen, zu Besiedlungsquellen sowie zur stofflichen und strukturellen Belastung erörtert werden. Diese Analysen bieten dann eine Basis, auf der fachlich fundiert entschieden werden kann, wo und in welchen räumlichen Abständen (z. B. Trittsteine) sinnvoller Weise Maßnahmen umgesetzt werden können.
