Grünlandschutz und Landschaftsentwicklung durch großflächige Beweidung im Biosphärenreservat Rhön
Projektmanagerin Katja Preusche im Gespräch mit einem Landwirt
Laufzeit:
2005 - 2009
Träger:
Landkreis Rhön-Grabfeld im Auftrag der Regionalen
Arbeitsgemeinschaft Rhön (ARGE Rhön), umgesetzt in enger
Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Bauernverband (Geschäftsstelle
Bad Neustadt a.d. Saale) und dem Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld
e.V.
Förderung:
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Az. 22655/33-0)
Ziel:
Das Vorhaben erprobt exemplarisch verschiedene Formen der
extensiven Beweidung in großflächigem Maßstab, um in Teilräumen die
wesentlichen Grundlagen für Naturschutz, Landwirtschaft und
Tourismus zu erhalten und zu fördern. Begleitend liefert eine
sozio-ökonomische und naturschutzfachliche Analyse der Auswirkungen
Rahmendaten für die Ausdehnung dieser Beweidungsmodelle in andere
Gebiete der Rhön und außerhalb.
Arbeitsschritte:
- Beratung: Ein professionelles Management sorgt für die
notwendige Information und Beratung der Akteure, insbesondere
Landwirte – mit einzelbetrieblicher Beratung, Ausloten von
möglichen öffentlichen Förderungen, ggf. Hilfen zur Bildung von
Betriebskooperationen, bei der Vermarktung etc.
- Modelllösungen: In vielgestaltigen Projektkernen werden
verschiedene Modelle grossflächiger extensiver Beweidung realisiert
– mit Rindern unterschiedlicher Rassen (Sommer- und ganzjährige
Standweide), mit Schafen, Ziegen sowie Mischbeweidung
(einschliesslich Pferden). Damit werden Umsetzungserfahrungen
gewonnen und Vorbilder geschaffen, die weitere Landwirte zur
Umsetzung solcher Beweidungsmodelle motivieren, so dass sich das
Projekt als Selbstläufer fortlaufend vergrössert.
- Vermarktung: Die erzeugten Produkte werden unter
Hervorhebung ihrer Alleinstellungsmerkmale als ein Beitrag zur
Regionalentwicklung und Einkommensstützung der Landwirte
vermarktet. Hierfür werden Hilfestellungen und Informationsarbeit
geleistet – als Baustein der Dachmarke Rhön.
- naturschutzfachliches Monitoring: Da es sich bei den
beweideten bzw. zu beweidenden Flächen zu wesentlichen Teilen um
naturschutzfachlich besonders hochwertige Bereiche von teils
mitteleuropäischer Bedeutung handelt, wird ein differenziertes
Monitoring der naturschutzfachlichen Auswirkungen realisiert,
insbesondere der Wiesenbrütergemeinschaft in der
Hochrhön.
- sozio-ökonomisches Monitoring: Um den Umsetzungserfolg zu gewährleisten sowie zur Formulierung resultierender Anforderungen an die künftige Ausgestaltung der Agrarförderung werden die Projektkerne auf einzelbetrieblicher Ebene und für Kooperationen von Landwirten einer intensiven sozio-ökonomischen Begleitung unterzogen.
Aktueller Projektstand (Januar 2009)
Derzeit beteiligen sich über 50 Landwirte (als Einzelbetriebe oder Mitglieder von Weidegemeinschaften) mit einer Gesamtfläche von 680 Hektar, verteilt auf 25 Einzelflächen in Bayern, Hessen und Thüringen, am Projekt. In Kürze werden ca. 780 ha Flächen nach den Kriterien der großflächig-extensiven Beweidung durch das Projekt betreut. Ansprechpartner sind die beiden Projektmanager: Dipl.-Ing. (agr.) Katja Preusche beim Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld und Dipl.-Biol. Karl-Heinz Kolb beim Bayerischen Bauerverband, Geschäftsstelle Bad Neustadt a.d. Saale.
Hauptaufgaben des Projektmanagements sind folgende:
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einzelbetriebliche und naturschutzfachliche Umsetzungsberatung: Erstinformation, Anwerben, Betreuung und Beratung von Landwirten (ökonomische und Bewirtschaftungsfragen, Betriebsentwicklung und -umstellung, Rechtsgrundlagen, Ganzjahresfreilandhaltung, Vermarktung, Landschaftspflegemaßnahmen, Ökokontomaßnahmen etc.)
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Erstellung und Umsetzung von Beweidungskonzepten/-verträgen
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naturschutzfachliches Monitoring in Form von Mitwirkung, Anleitung von Diplomand(inn)en und teils Durchführung
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Antragsstellung/-entwicklung und/bzw. –beratung insbesondere für Agrarumweltmaßnahmen
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Aufbau und Pflege eines Geographischen Informationssystems (GIS; ArcView 3.3) für das Projektmanagement und einer Projekt-Artdatenbank (MS Access)
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Konzeption und Durchführung des sozioökonomischen Monitorings in Abstimmung mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft
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Aufbau und Betreuung von Weidegemeinschaften
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Vermittlung bei Landnutzungskonflikten
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Durchführung von fachlichen Informationsveranstaltungen und Entwicklung von Informationsmaterialien für Landwirte
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Abstimmung mit und Information von Kooperationspartnern des Projekts
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Öffentlichkeitsarbeit und Information von Fachleuten (z.B. Exkursionen, Flyer, Zeitungsartikel, Vorträge, Ausstellungen/Projektpräsentationen, Internetseitenentwurf)
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Vermarktungsaktivitäten
Die Laufzeit des Projekts wird bis Dezember 2009 verlängert, die Projektmanagement-Stellen liefen bis Ende März. Hauptaufgabe in den kommenden Wochen ist die Endauswertung der Monitoringergebnisse (inbesondere der naturschutzfachlichen Auswirkungen und Bewertung). Optionen zur Projektfortsetzung werden derzeit geprüft.
Produkte vom Gelben Frankenvieh
Ohne das Gelbe Frankenvieh war das bäuerliche Leben in der Rhöner Landschaft früher undenkbar. Als klassisches Dreinutzungsrind wurde es als Arbeitstier, Milch- und Fleischlieferant genutzt und geschätzt. Doch die Landwirtschaft wurde intensiver und züchtete spezialisierte Rassen und verdrängte damit die Mehrnutzungsrassen, wie das Frankenvieh. Dabei sind diese Rinder robuster und anspruchsloser als viele ihrer Artgenossen und an die Hochweiden der Rhön bestens angepasst.
Heute wird das Gelbvieh aufgrund seiner vielen Vorzüge und des schmackhaften Fleisches wieder geschätzt. Der Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld und das Grünlandprojekt im Biosphärenreservat Rhön unterstützen die Landwirte, um die Haltung rentabel zu machen und damit den Erhalt dieser regionalen Rasse zu sichern. Die UrEinwohner von Unterfranken dürfen wieder auf ökologisch wichtigen und schützenswerten Wiesen weiden und helfen damit, die Artenvielfalt des Grünlandes zu erhalten. Ihr hochwertiges Fleisch und daraus hergestellte Wurst- und Schinkenspezialitäten werden regional vermarktet.
Zum Beispiel in Form des Rhön-Schdegge: Bei der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten der Erlössituation für die Landwirte zeigte sich, dass die Verwertbarkeit der unedlen Teile unbefriedigend ist. Ergebnis: der Rhön Schdegge (hochdeutsch: Rhön-Stecken), eine Rindersalami in Form eines Wanderstocks, der auf die Vermarktung der Rhön als „Wanderwelt Nr. 1“ in Deutschland und die Eignung des Produkts als Wanderproviant anspielt. Biodiversität ist für den Rhön Schdegge ein doppeltes Verkaufsargument: Verarbeitet wird ausschließlich Fleisch vom Gelben Frankenvieh, einer in Unterfranken typischen alten Rinderrasse; dessen Haltung im Grünlandprojekt „produziert“ biologische Vielfalt.
Weideabtrieb in Ginolfs (Oktober 2008)
Mit schätzungsweise 2.500 Besuchern war der erste Weideabtrieb in der bayerischen Rhön Ende Oktober 2008 ein voller Erfolg - und optisch wie kulinarisch auch Werbung für das Gelbe Frankenvieh als regional typische alte Rinderrasse. Organisatoren waren der Bayerische Bauernverband, das Grünlandprojekt Rhön als Initiator, das Projekt Bayerns UrEinwohner und das Biosphärenreservat Rhön (Bayerische Verwaltungsstelle). Der Landrat des Kreises Rhön-Grabfeld, Thomas Habermann, hatte die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.
Der Weideabtrieb erfolgte von der Weide der Familie Gerd Manger, die mit ihrer Gelbviehherde von Anfang an am Grünlandprojekt teilnimmt, zum Festplatz in Ginolfs. Dort findet in einem Festzelt das Weidefest statt, bei dem es Originalgerichte vom Gelben Frankenvieh und Original Rhöner Kuchenspezialitäten geben wird. Neben geschmücktem Fränkischem Gelbvieh waren Rhönschafe und Ziegen des Rhönschäfers Kolb zu sehen. Hauptziel der Veranstaltung war, das Gelbe Frankenvieh als regional typische Rinderrasse wieder stärker bekannt machen und die Vermarktung regionaler Produkte voran zu bringen.
Bericht des Mediendienstes des Biosphärenreservats Rhön (PDF, 101 kB)
