Prof. Dr. Eckhard Jedicke
Rhön im Fluss
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Prof. Dr. Eckhard Jedicke
Projektentwicklung im Naturschutz

Rhön im Fluss

Umgehungsgerinne an der Brend (Foto: Matthias Metzger)

Revitalisierung und Verbund ausgewählter Fließgewässer der Rhön – Verknüpfung von Aspekten des Naturschutzes und des Hochwasserschutzes

Laufzeit:
seit 2003

Träger:
Zoologische Gesellschaft Frankfurt (bis 2006), RhönNatur e.V. - Verein zur Förderung von Natur und Landschaft in der Rhön (seit 2007)

Förderung:
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (2003 - 2006), Allianz Umweltstiftung (2005 - 2007), Zoologische Gesellschaft Frankfurt, Kurt Lange Stiftung u.a.
Kooperationsprojekt in enger Zusammenarbeit mit den Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats Rhön

Ziel:
Aus dem Artenschutzprojekt der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt heraus entstand das Förderprojekt „Revitalisierung und Verbund ausgewählter Rhön-Fließgewässersysteme mit besonderer Bedeutung für Hochwasserschutz und Naturschutz“, welches die Deutsche Bundesstiftung Umwelt von Juni 2003 bis Dezember 2006 förderte. Träger war die Zoologische Gesellschaft Frankfurt in Kooperation mit den drei Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats und die Arbeitsgemeinschaft Artenschutz. Das Vorhaben bezweckte die Revitalisierung der drei Gewässersysteme von Ulster, Streu und Brend, um das national bedeutsame Naturerbe der Fließgewässer und Auen zu erhalten und weiter zu entwickeln. Dazu sind die Umweltbedingungen zu erhalten bzw. wiederherzustellen, welche überlebensfähige Populationen in ausreichendem Verbund von Teilpopulationen untereinander ermöglichen – primär durch

(a) die naturnähere Entwicklung von Gewässer- und Uferstrukturen unter größtmöglicher Ausnutzung preiswerter Eigendynamik der Fließgewässer und

(b) durch Wiederherstellung der Längsdurchgängigkeit.

Auf diese Weise sollte ein Biotopverbundsystem geschaffen werden, welches Modellcharakter für die integrative Umsetzung der verschiedenen geltenden rechtlichen Normen von EU, Bund und Ländern im Bereich der Auen besitzt. Die erforderlichen Maßnahmen wurden anhand von ausgewählten Zielarten beschrieben und hinsichtlich ihres Erfolgs kontrolliert. Zugleich sollte damit ein Baustein zur Reduktion von Hochwasser-Gefährdungen geschaffen sowie die Landnutzung in den Auen insgesamt so naturschutzverträglich wie möglich gestaltet werden.

Folgende Teilziele wurden verfolgt (Schwerpunkte unterstrichen):

  • Eigendynamik fördern: Förderung natürlicher Fließgewässerdynamik mit Erosions- und Sedimentationspro­zessen – durch behutsame Herausnahme einzelner Verbauungen nach (wo erforderlich und realisierbar) Schaffung ungenutzter Uferrandstrei­fen, lokal Einsatz von Totholz zur Förderung der Eigendynamik;
  • Längsdurchgängigkeit verbessern: Schaffung einer Längsdurchgän­gigkeit der Fließgewässer – durch Rückbau von Querverbauungen oder Bau von Fischaufstiegshilfen/Umleitungen; dabei durch Dialog mit Kleinkraftwerks-Betreibern Mindestwasserführung gewährleisten;
  • nicht standortheimische Ufergehölze ersetzen: Entnahme von Fichten im Uferrandbereich insbesondere in den Quellbachregionen sowie von Pappeln auf Feuchtwaldstandorten;
  • Quellbiotope revitalisieren: Vermeidung von Nähr- und Schadstoff-Einträgen, von Entwässerung und nachteiligen Vegetationsveränderungen;
  • Nutzung der Auen für den Naturschutz optimieren: Veränderung von Nutzungszeitpunkten und ‑intensitäten im Grünland, soweit notwendig und möglich, sowie Verringerung der Ackernutzung in der Aue, insbesondere im gewässernahen Bereich;
  • Umweltbildung zur Gewässerdynamik: Information der im Projekt beteiligten Zielgruppen und der breiten Öffentlichkeit über Ziele und Wege der Gewässer-Revitalisierung;
  • Vorbildprojekt zur Gewässer-Revitalisierung: Schaffung und De­mons­tration von Musterlösungen und Umsetzungserfahrungen in Fließgewässer-Landschaften der Mittelgebirge bei vorrangiger Nutzung vorhandener Finanzierungsinstrumente unter den Rahmenbe­dingungen dreier unterschiedlicher Bundesländer.

Damit werden – neben den naturschutzfachlichen Zielsetzungen – auch wesentliche Ziele des vorsorgenden Hochwasserschutzes verfolgt. Die Maßnahmen orientieren sich an den Lebensraumansprüchen ausgewählter Zielarten im Rahmen eines repräsentativen Zielartenkonzepts für die Rhön

Die Umsetzung des Vorhabens wird seither zunächst durch die ZGF aus eigenen Mitteln mit Weiterführung des Projektmanagements fortgesetzt, zum Teil auch durch die Behörden. Auf bayerischer Seite wird ein mögliches Naturschutzgroßprojekt des Bundes zur Fortführung diskutiert.

Ergebnisse:

  • Die wichtigsten Ergebnisse in Bezug auf die o.g. Teilziele sind in einer Tabelle zusammengefasst (Download als PDF - 0,5 MB).
  • Erfahrungen in Bezug auf Projektmanagement, Finanzierung, Methoden der Revitalisierung, Öffentlichkeitsarbeit und Monitoring sind in einem Beitrag in "Naturschutz und Landschaftsplanung" dargestellt (Download als PDF - 0,4 MB).
  • weitere Informationen: www.rhoen-im-fluss.de

weitere Planungen:

  • In der bayerischen Rhön befindet sich die Beantragung eines Naturschutzgroßprojekts in Planung (2011).
  • An der thüringischen Ulster bei Motzlar wird eine größere Revitalisierungs-Maßnahme direkt im Anschluss an das Grüne Band geplant (2011).

 

Fotos aus der Projektumsetzung "Rhön im Fluss"

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